Restaurierung

Das Ziel der restauratorischen Arbeit an den Kunstmuseen Krefeld ist es, die reiche Sammlung für zukünftige Generationen zu bewahren. Hiermit verbunden ist ein kontinuierlicher Prozess aktiver und präventiver Bestandspflege. Die tägliche Herausforderung besteht hierbei in der großen Vielfalt von Materialkombinationen und künstlerischen Techniken innerhalb eines Bestandes, der vom späten Mittelalter bis zur zeitgenössischen Kunst reicht und auch Design aus mehreren Jahrhunderten einschließt. Die Restaurator*innen erstellen umfassende Zustandsdokumentationen und führen kunsttechnologische Untersuchungen durch. Sie überprüfen die konservatorischen Bedingungen in der Ausstellung, in den Depots und bei Kunsttransporten. Die praktische Durchführung von Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen ist innerhalb des Tätigkeitsprofils die Kernaufgabe.

Die konservatorische Arbeit, die in den Kunstmuseen Krefeld geleistet wird, findet im wissenschaftlichen Austausch innerhalb eines internationalen Netzwerks der Restaurator*innen statt. Die Forschung zur materiellen Beschaffenheit und zum Herstellungsprozess der Kunstwerke sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Fachleuten und Wissenschaftler*innen erbringt einen stetigen kunsttechnologischen und konservierungswissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, der durch fachbezogene Führungen, Vorträge und Publikationen vermittelt wird.

Neue Töne im Museum

Die Kulturstiftung der Länder hat einen Spendenaufruf zur Restaurierung unserer wertvollen Teschemacher – Orgel veröffentlicht:

SPENDENAUFRUF ORGEL

Bitte helfen Sie uns, damit diese schöne Kammerorgel dank Ihrer Unterstützung in Solokonzerten oder auch in Kombination mit anderen Instrumenten wieder erklingen kann.

Die Teschemacher-Orgel von 1755 aus der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld, © Sebastian Köhler
Die Teschemacher-Orgel von 1755 aus der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld, © Sebastian Köhler

Dan Graham, Octogon for Münster

Ursprünglich von Dan Graham als Modell für eine begehbare Außenskulptur geschaffen, befindet sich das Werk Octogon for Münster (1986) bereits seit drei Jahrzehnten in der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld. Im Gesamtwerk von Dan Graham gehört das Objekt zu den Zweiweg-Spiegel-Pavillons. Das Phänomen von Spiegelung und Durchsicht, das im Alltag an Schaufensterscheiben und Zugfenstern erlebbar ist, setzt Graham hier in ein autonomes, künstlerisches Konzept um. Das komplexe optische Zusammenspiel von Mehrfachspiegelungen wird durch die räumliche, oktogonale Anordnung halbtransparenter Spiegelgläser hervorgerufen, die den Außenraum reflektieren und gleichzeitig zulassen, dass man durch den Innenraum hindurchsehen kann. Das Werk besteht aus acht halbtransparenten Zweiweg-Spiegelglas-Scheiben. Ober- und unterseitig sitzen die Scheiben in U-Profilleisten aus Aluminium. Das Dach sowie der im Inneren befindliche zentrale Stützpfosten bestehen aus Holz.
Die durch Oxidation hervorgerufene Verschwärzung des Spiegelglases überlagerte das vom Künstler intendierte Konzept. Im Zuge der vorbereitenden Untersuchungen wurde deutlich, dass die Oxidationsphänomene nicht restaurierbar sind. Wie sollte man also mit den für die Gestaltung charakteristischen, jedoch funktionell beeinträchtigten Spiegelgläsern umgehen? Ist die Authentizität des Objekts an die Erhaltung der originalen Scheiben bzw. an ihre Materialität geknüpft, oder ist das Modell auch dann noch authentisch, wenn mit neuen Scheiben, die die ursprünglichen Materialeigenschaften ebenso erfüllen, die gleiche Funktionalität und Ästhetik gegeben ist?
Dank der finanziellen Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen und in Zusammenarbeit mit der Restauratorin Julia Giebeler sowie mit dem Studio Dan Graham war es möglich, einen Lösungsweg für den konservatorischen Umgang mit den geschädigten Materialoberflächen zu erarbeiten. Alle Entscheidungsträger*innen priorisierten schließlich einen Austausch der Gläser, um die unmittelbar an die spezifischen Spiegelphänomene geknüpfte Funktion des Kunstwerks wiederherzustellen. Dan Graham ließ den Austausch der Originalscheiben durch ein optisch entsprechendes Spezialglas durch seinen langjährigen Assistenten Gary Woodley autorisieren. Woodley unterstützte auch die praktische Umsetzung und stand als Ansprechpartner zur Verfügung.

Das Krefelder Octogon for Münster ist nun nach der Restaurierung wieder in einer authentischen Form erfahrbar. Die Archivierung der Originalscheiben ermöglicht gegebenenfalls einen Rückbau auf das vor der Restaurierung vorhandene Materialgefüge. Die Dokumentation der Entscheidungsprozesse stellt eine wichtige Ressource für zukünftige Erhaltungsmaßnahmen dar.

Reflexion und Durchsicht, Octogon for Münster, Zustand Ende 1980er Jahre
Reflexion und Durchsicht, Octogon for Münster, Zustand Ende 1980er Jahre
Oktogon for Münster, Zustand vor Restaurierung, 2019
Oktogon for Münster, Zustand vor Restaurierung, 2019
Octogon for Münster, Zustand nach Restaurierung, 2021
Octogon for Münster, Zustand nach Restaurierung, 2021

Adolf Höninghaus, Blick auf Rom

In der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld haben sich ein sehr großer Bestand von Zeichnungen, Aquarellen und Ölmalereistudien sowie vier Leinwandgemälde des Malers Adolf Höninghaus (1810 Krefeld–1882 Krefeld) erhalten. Höninghaus hat an der Kunstakademie in Düsseldorf unter anderem bei Johann Wilhelm Schirmer studiert. Sein Werk ist im Kontext der frühen Düsseldorfer Malerschule zu verorten. Die Ölmalereistudien, die aus dem Nachlass des Künstlers stammen, sind hauptsächlich Pleinairstudien, die auf Reisen wie der Grand Tour durch Italien entstanden. Im Atelier bildeten einige dieser Studien das Vorlagenmaterial und die Grundlage für die endgültige Ausführung der Leinwandgemälde. Im Vorfeld der Retrospektive zum Werk von Adolf Höninghaus im Jahr 2017 bot sich die Gelegenheit, begleitend zu den umfassenden Restaurierungsarbeiten kunsttechnologische Untersuchungen durchzuführen. Diese Untersuchungen wurden zum Teil mit fachlicher Unterstützung des Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der Technischen Hochschule Köln realisiert.

Aus dem Bestand der kleinformatigen Ölmalereistudien, die während der ausgedehnten Italienreise des Künstlers 1844–1848 entstanden sind, konnten unter anderem zwei direkte Vorlagen zu dem viel später entstandenen Gemälde Blick auf Rom (1871) identifiziert werden. Es konnte in diesem Fall nachgewiesen werden, dass der Künstler die Vorstudien nicht nur als eine ungefähre Vorlage verwendete, sondern sie detailgenau in seine Gemäldekomposition integrierte. Die IR-Reflektografie des Gemäldes zeigt, dass die Unterzeichnung und auch die spätere malerische Ausführung der Architektur in der Bildmitte mit großer Präzision der Vorlage der kleinen Vorstudien folgt. Zur Unterzeichnung in diesem Bereich wurde offenbar ein dünner Stift verwendet, der eine präzise Linienführung gewährleistet. Davon ausgehend hat Höninghaus andere Bildteile frei komponiert und mit den übertragenen Motiven kombiniert. Beim Blick auf Rom ist der Bildvordergrund mit von üppiger Natur überwucherten, monumentalen Ruinen ausgestaltet. Diese frei komponierten Bildteile wurden, im Gegensatz zu der präzisen Übertragung der Vorlagen in der Bildmitte, mit einem Pinsel oder mit einer breiten Zeichenfeder locker aufskizziert. Bei den frei komponierten Bildpartien sind Abweichungen und Änderungen im Zuge des maltechnischen Prozesses nachweisbar. Zum Beispiel erscheinen in der Unterzeichnung des Bildvordergrundes Figuren, die auf einem Baumstamm sitzen. Dieses Detail wurde in dem späteren Leinwandgemälde nicht ausgeführt.
Die Untersuchungsergebnisse an den Farbschichten einiger Skizzen und Gemälde zeigen, dass die Farbpalette von Adolf Höninghaus sowohl bei den Ölmalereistudien wie auch bei der späteren Ausführung der Gemälde nahezu gleich ist. Bei den Reisestudien und bei dem etwa 25 Jahre später entstandenen Gemälde Blick auf Rom ist im direkten Vergleich einzelner Bildpartien eine nahezu identische Pigmentzusammensetzung der Farbausmischungen feststellbar. Daher ist zu vermuten, dass der Maler Farbausmischungen protokolliert hat, um sie auch lange Zeit später im Atelier in gleicher Weise auszuführen zu können. Die beeindruckende zeichnerische Präzision bei der detailgenauen Übertragung der Vorstudien auf das Gemälde setzte sich also sogar in der genauen Reproduktion der Farbausmischungen im Atelier fort.

Position der übertragenen Studien [Ohne Titel (Südliche Ruinen) und OhneTitel (Colosseum Rom)] im Gemälde Blick auf Rom (Foto: Volker Döhne)
Position der übertragenen Studien [Ohne Titel (Südliche Ruinen) und OhneTitel (Colosseum Rom)] im Gemälde Blick auf Rom (Foto: Volker Döhne)
Adolf Höninghaus, Blick auf Rom, IR-Reflektographie 
(Foto: TH Köln, Diana Blumenroth)
Adolf Höninghaus, Blick auf Rom, IR-Reflektographie (Foto: TH Köln, Diana Blumenroth)
Adolf Höninghaus, Blick auf Rom, Zustand nach Restaurierung
Adolf Höninghaus, Blick auf Rom, Zustand nach Restaurierung