Restaurierung

Das Ziel der restauratorischen Arbeit an den Kunstmuseen Krefeld ist es, die reiche Sammlung für zukünftige Generationen zu bewahren. Hiermit verbunden ist ein kontinuierlicher Prozess aktiver und präventiver Bestandspflege. Die tägliche Herausforderung besteht hierbei in der großen Vielfalt von Materialkombinationen und künstlerischen Techniken innerhalb eines Bestandes, der vom späten Mittelalter bis zur zeitgenössischen Kunst reicht und auch Design aus mehreren Jahrhunderten einschließt. Die Restaurator*innen erstellen umfassende Zustandsdokumentationen und führen kunsttechnologische Untersuchungen durch. Sie überprüfen die konservatorischen Bedingungen in der Ausstellung, in den Depots und bei Kunsttransporten. Die praktische Durchführung von Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen ist innerhalb des Tätigkeitsprofils die Kernaufgabe.

Die konservatorische Arbeit, die in den Kunstmuseen Krefeld geleistet wird, findet im wissenschaftlichen Austausch innerhalb eines internationalen Netzwerks der Restaurator*innen statt. Die Forschung zur materiellen Beschaffenheit und zum Herstellungsprozess der Kunstwerke sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Fachleuten und Wissenschaftler*innen erbringt einen stetigen kunsttechnologischen und konservierungswissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, der durch fachbezogene Führungen, Vorträge und Publikationen vermittelt wird.

Yves Klein, Le Vide

Sebastian Köhler

Eine der spektakulärsten künstlerischen Konzeption des französischen Malers Yves Klein (1928–1962) waren weißmonochrome Räume, die er als Le Vide (Die Leere) bezeichnete. Durch die künstlerische Reduktion auf die weiße Einfarbigkeit des leeren Raumes beabsichtigte Yves Klein, die immaterielle Aura einer unsichtbaren Malerei erlebbar werden zu lassen.

Die Krefelder Version von Le Vide hat sich bis heute erhalten. Der Raum entstand 1961 im Erdgeschoss des Museums Haus Lange im Rahmen der ersten und letzten Einzelausstellung, die der Künstler selbst gestaltet hat. Die kunsttechnologische Untersuchung, die für diesen Raum der Leere im Zuge der Restaurierung durchgeführt wurde, erbrachte, dass Le Vide eine originäre, raumbezogene Wandmalerei ist, die sich in Bezug auf die Oberflächenstruktur, Materialauswahl und Auftragstechnik nicht wesentlich von der sonstigen monochromen Malerei Yves Kleins unterscheidet.

Die Grundproblematik des Zustands vor der Restaurierung bestand darin, den stark verschmutzten Fußboden an die nahezu unversehrt und in gutem Zustand befindliche Oberfläche der Wände anzugleichen. Die Verschmutzung des Bodens und die vereinzelte Rissbildung an den Wänden waren für die Wirkung des Raumes besonders auffällig, weil jede Störung einer monochrom weißen Oberfläche visuell eine extreme Eigenwertigkeit ausbildet und somit die immaterielle Atmosphäre des Raums nachhaltig überlagert. Durch die kunsttechnologische Analyse wurde deutlich, dass Le Vide nicht als ein rein konzeptuelles und damit reproduzierbares Werk zu betrachten ist. Deshalb wurde eine flächige, weiße Überarbeitung zur Erneuerung ausgeschlossen. Stattdessen wurden Risse im Wandputz geschlossen, der Fußboden gereinigt und Retuschen durchgeführt. Auf diese Weise gelang es, die Beeinträchtigungen der Monochromie unter größtmöglicher Erhaltung der Originalsubstanz zu beseitigen oder weitgehend abzumildern. Die Wirkung des monochrom weißen Raumes, der den Besucher optisch desorientiert und ihn ein Erlebnis von Leere erfahren lässt, konnte somit durch die Restaurierung prinzipiell wiederhergestellt werden. Der durch die restauratorischen Arbeitsschritte erzielte Zustand erweist sich als zufriedendstellend, um diesen Effekt der weißen Leere trotz des gealterten Zustands zu erreichen. Zum Schutz des Raumes wurde ein präventives Konzept erarbeitet, das den Besucherzugang regelt und insbesondere Verschmutzungen des Raumes vorbeugt. Die Erhaltung des Raumes ist ein fortwährender Prozess, der regelmäßige Inspektionen und Pflegemaßnahmen beinhaltet.

Le Vide, Zustand nach Restaurierung
(Foto: Volker Döhne)
Le Vide, Zustand nach Restaurierung (Foto: Volker Döhne)
Yves Klein im „Raum der Leere“, Museum Haus Lange 1961
(Foto: Charles Wilp)
Yves Klein im „Raum der Leere“, Museum Haus Lange 1961 (Foto: Charles Wilp)
Feinstruktur der Wandoberfläche im „Raum der Leere“
(Foto: Sebastian Köhler)
Feinstruktur der Wandoberfläche im „Raum der Leere“ (Foto: Sebastian Köhler)

Adolf Höninghaus, Blick auf Rom

Sebastian Köhler

In der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld haben sich ein sehr großer Bestand von Zeichnungen, Aquarellen und Ölmalereistudien sowie vier Leinwandgemälde des Malers Adolf Höninghaus (1810 Krefeld–1882 Krefeld) erhalten. Höninghaus hat an der Kunstakademie in Düsseldorf unter anderem bei Johann Wilhelm Schirmer studiert. Sein Werk ist im Kontext der frühen Düsseldorfer Malerschule zu verorten. Die Ölmalereistudien, die aus dem Nachlass des Künstlers stammen, sind hauptsächlich Pleinairstudien, die auf Reisen wie der Grand Tour durch Italien entstanden. Im Atelier bildeten einige dieser Studien das Vorlagenmaterial und die Grundlage für die endgültige Ausführung der Leinwandgemälde. Im Vorfeld der Retrospektive zum Werk von Adolf Höninghaus im Jahr 2017 bot sich die Gelegenheit, begleitend zu den umfassenden Restaurierungsarbeiten kunsttechnologische Untersuchungen durchzuführen. Diese Untersuchungen wurden zum Teil mit fachlicher Unterstützung des Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der Technischen Hochschule Köln realisiert.

Aus dem Bestand der kleinformatigen Ölmalereistudien, die während der ausgedehnten Italienreise des Künstlers 1844–1848 entstanden sind, konnten unter anderem zwei direkte Vorlagen zu dem viel später entstandenen Gemälde Blick auf Rom (1871) identifiziert werden. Es konnte in diesem Fall nachgewiesen werden, dass der Künstler die Vorstudien nicht nur als eine ungefähre Vorlage verwendete, sondern sie detailgenau in seine Gemäldekomposition integrierte. Die IR-Reflektografie des Gemäldes zeigt, dass die Unterzeichnung und auch die spätere malerische Ausführung der Architektur in der Bildmitte mit großer Präzision der Vorlage der kleinen Vorstudien folgt. Zur Unterzeichnung in diesem Bereich wurde offenbar ein dünner Stift verwendet, der eine präzise Linienführung gewährleistet. Davon ausgehend hat Höninghaus andere Bildteile frei komponiert und mit den übertragenen Motiven kombiniert. Beim Blick auf Rom ist der Bildvordergrund mit von üppiger Natur überwucherten, monumentalen Ruinen ausgestaltet. Diese frei komponierten Bildteile wurden, im Gegensatz zu der präzisen Übertragung der Vorlagen in der Bildmitte, mit einem Pinsel oder mit einer breiten Zeichenfeder locker aufskizziert. Bei den frei komponierten Bildpartien sind Abweichungen und Änderungen im Zuge des maltechnischen Prozesses nachweisbar. Zum Beispiel erscheinen in der Unterzeichnung des Bildvordergrundes Figuren, die auf einem Baumstamm sitzen. Dieses Detail wurde in dem späteren Leinwandgemälde nicht ausgeführt.
Die Untersuchungsergebnisse an den Farbschichten einiger Skizzen und Gemälde zeigen, dass die Farbpalette von Adolf Höninghaus sowohl bei den Ölmalereistudien wie auch bei der späteren Ausführung der Gemälde nahezu gleich ist. Bei den Reisestudien und bei dem etwa 25 Jahre später entstandenen Gemälde Blick auf Rom ist im direkten Vergleich einzelner Bildpartien eine nahezu identische Pigmentzusammensetzung der Farbausmischungen feststellbar. Daher ist zu vermuten, dass der Maler Farbausmischungen protokolliert hat, um sie auch lange Zeit später im Atelier in gleicher Weise auszuführen zu können. Die beeindruckende zeichnerische Präzision bei der detailgenauen Übertragung der Vorstudien auf das Gemälde setzte sich also sogar in der genauen Reproduktion der Farbausmischungen im Atelier fort.

Position der übertragenen Studien [Ohne Titel (Südliche Ruinen) und OhneTitel (Colosseum Rom)] im Gemälde Blick auf Rom (Foto: Volker Döhne)
Position der übertragenen Studien [Ohne Titel (Südliche Ruinen) und OhneTitel (Colosseum Rom)] im Gemälde Blick auf Rom (Foto: Volker Döhne)
Adolf Höninghaus, Blick auf Rom, IR-Reflektographie 
(Foto: TH Köln, Diana Blumenroth)
Adolf Höninghaus, Blick auf Rom, IR-Reflektographie (Foto: TH Köln, Diana Blumenroth)
Adolf Höninghaus, Blick auf Rom, Zustand nach Restaurierung
Adolf Höninghaus, Blick auf Rom, Zustand nach Restaurierung