Claude Monet, Das Parlamentsgebäude in London, 1904


Auguste Rodin, Eva, 1881/1899


Mondrian, Tableau N VII, 1925

KUNST VOR 1945

Die ältere Sammlung der Kunstmuseen Krefeld besteht aus sehr unterschiedlichen Werkkomplexen, deren Struktur sich der Entstehungsgeschichte des Kaiser Wilhelm Museums verdankt. Obgleich Ende des 19. Jahrhunderts ursprünglich als ein Museum für angewandte Kunst gegründet, fanden schon unter dem ersten Direktor Friedrich Deneken auch Gemälde und Skulpturen ihren Weg in die Sammlung. Durch seinen Nachfolger Max Creutz wandelte sich das Museum in den 1920er Jahren endgültig zu einem Ort der bildenden Künste - mit einem deutlichen Schwerpunkt im Bereich der Moderne.

Den Grundstock der älteren Sammlung bilden zahlreiche Schenkungen und Stiftungen aus der Anfangszeit des Museums. Dazu gehören Werke aus dem Bestand des ehemaligen Museumsvereins, der seit seiner Gründung 1883 nicht nur kunsthandwerkliche Arbeiten, sondern auch diverse Gemälde des 16. bis 19. Jahrhunderts aus dem Besitz seiner Mitglieder für das neue Museum zusammengetragen hatte. Hinzu kamen einzelne Stiftungen und Ankäufe verschiedener privater Sammlungen, wie zum Beispiel der Sammlung Oetker mit der "Anbetung" von Aertgen van Leyden (1536) oder der Sammlung Kramer mit mittelalterlichen Skulpturen vom Niederrhein.

Ein in sich geschlossener Komplex italienischer Renaissance-Kunst gelangte durch die ehemalige Sammlung von Beckerath ins Kaiser Wilhelm Museum. Zu diesem Konvolut gehören neben Majolika, Möbeln und Bronze-Plaketten des 15. bis 16. Jahrhunderts auch mehrere hochwertige skulpturale Bildwerke des Quattrocento, wie zum Beispiel die "Madonna Verona" nach Donatello oder die "Madonna mit Christuskind" von Nanni di Bartolo.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Gemälde des 19. Jahrhunderts, wozu Werke von Franz von Lenbach, Wilhelm Leibl, Johann Wilhelm Schirmer, Hans Thoma und verschiedenen Künstlern der Düsseldorfer Malerschule gehören, darunter der berühmte "Schadowkreis", ein Gemeinschaftsbild von fünf Malern, entstanden 1830 in Rom.

Mit der Marmorskulptur "Eva" von Auguste Rodin wurde im Jahr 1900 das erste wichtige Werk der sogenannten Klassischen Moderne in die Sammlung aufgenommen. 1907 folgte "Das Parlamentsgebäude in London" (1904) von Claude Monet. In den 1920er Jahren konzentrierte sich die Ausstellungs- und Ankaufspolitik des Museums dann auf die moderne und zeitgenössische Kunst. Bald gehörten nicht nur Werke der sogenannten Deutschen Impressionisten, sondern auch der Brücke-Maler und des Blauen Reiter zur Sammlung des Kaiser Wilhelm Museums. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde diese Entwicklung hin zur zeitgenössischen Kunst abrupt unterbrochen und die moderne Sammlung 1937 durch Beschlagnahmungen im Rahmen der Aktion "Entartete Kunst" auseinandergerissen. Nur einzelne Werke verblieben durch Zufall im Museum oder kehrten nach 1945 zurück, zum Beispiel die Bronzeskulptur "Büste Frau L." (1910) von Wilhelm Lehmbruck und das "Stillleben mit Chinoiserien" (1929) von James Ensor. Heinrich Campendonks "Pierrot mit Sonnenblume" (1925) und das Gemälde "Kuhmelken" (1913) von Emil Nolde kamen nach dem Krieg zurück in die Sammlung. Einige Lücken konnten nach 1945 durch gezielte Ankäufe wieder geschlossen werden. Neben wichtigen Einzelwerken wie "Marine verte" von Max Ernst umfasst die Sammlung der frühen Moderne heute eine Gruppe mit Werken der sogenannten deutschen Impressionisten Max Slevogt, Lovis Corinth und Max Liebermann. Hinzu kommen Arbeiten des Expressionismus, darunter Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel. Die Maler des Blauen Reiter sind durch das einzigartige Gemälde "Sintflut" (1912) von Wassily Kandinsky, die "Symphonie Schwarz-Rot" von Alexej von Jawlensky sowie eine komplette Werkgruppe des aus Krefeld stammenden Malers Heinrich Campendonk vertreten. Einen weiteren Höhepunkt bildet die Gruppe der konstruktivistischen Arbeiten von Piet Mondrian, Theo van Doesburg und László Moholy-Nagy.

Ein besonderes Konvolut stellen die Arbeiten des sogenannten Rheinischen Expressionismus dar. Dazu gehört unter anderem der Drove-Zyklus von Heinrich Nauen und zahlreiche Gemälde und Zeichnungen von Helmuth Macke. Auch der Lehrer von Campendonk und Macke, Johan Thorn Prikker, war schon seit 1903 mit dem Kaiser Wilhelm Museum eng verbunden. In einem Saal des Museums schuf er 1923 die monumentale Wandmalerei "Lebensalter". Ein großer Teil seines Nachlasses befindet sich seit den 1960er Jahren in der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld.